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Emotionen im Fußball: 3 Schritte, mit denen du Ärger lenkst, statt dich von ihm lenken zu lassen

vor 7 Tagen
12 Min. Lesezeit

Fußball braucht mehr als Technik und Einsatz. Dazu gehört, dass du deine Emotionen im Fußball im Griff hast. Es geht nicht um weniger Gefühl. Es geht darum, dass du entscheidest, was dein Ärger mit dir macht. Er entscheidet nicht für dich.


Vielleicht kennst du diese Szene. 58. Minute, ein Zweikampf am Strafraum. Der Gegenspieler fasst dir ins Trikot, du gehst zu Boden, der Pfiff bleibt aus. Dein Puls springt hoch. Der Hals wird eng. Du stehst auf und hörst dich selbst sagen, was du nicht sagen wolltest. Der Schiedsrichter dreht sich um. Gelb.


Jetzt ist da ein Satz in deinem Kopf, der sich nicht abschalten lässt: Das gibt es nicht. Das darf nicht wahr sein. Zwei Minuten später rutscht dir ein Pass durch, der im Training immer klappt. Dein Trainer ruft etwas, du hörst nur den Ton. Du merkst, dass du zu spät in die Zweikämpfe gehst, weil du eigentlich noch in der 58. Minute stehst.

Nach dem Spiel sagt keiner etwas Schlimmes. Aber du weißt es. Du warst für dein Team nicht da, obwohl du die ganze Zeit gerannt bist.


Das ist kein Charakterfehler. Es ist ein Muster. Muster lassen sich ändern.


Emotionen im Fußball: Du bist damit nicht allein

Fast jeder Spieler kennt den Moment, in dem der Ärger größer wird als das Spiel. Bei den einen kocht es nach außen. Bei den anderen frisst es sich nach innen. Beides kostet dich Leistung.


Janosch Daul, Leiter Sportpsychologie im Nachwuchs des Halleschen FC, beschreibt in seinem Beitrag "Ärger auf dem Fußballplatz, kein Grund zur Panik" bei 1x1sport, wie Ärger entsteht: Meistens, wenn du ein Ziel nicht erreichst. Als Auslöser nennt er unter anderem Kritik oder Beschimpfungen durch den Trainer, provozierendes Verhalten von Gegnern, Fouls, eigene Fehler und Patzer der Mitspieler. Auch Schiedsrichterentscheidungen gegen dein Team, besonders Elfmeter, sowie schwierige Bedingungen wie Platz oder Wind gehören dazu.


Das Wichtigste daran: Das ist normal. Es steht auf der Liste der üblichen Auslöser. Wenn dich eine Fehlentscheidung auf die Palme bringt, bist du kein Sonderfall. Du bist ein Spieler, der etwas will.


Kathrin Seufert schreibt in "Emotionen auf dem Platz steuern" (Die Sportpsychologen, 2021), dass Emotionen körperliche und mentale Veränderungen als Reaktion auf eine Situation sind, die dir persönlich wichtig ist. Sie beeinflussen deine Motivation, deine Aufmerksamkeit, wie du lernst, entscheidest und urteilst. Sie wirken auch auf andere: Nach dem von ihr beschriebenen Modell stecken Emotionen an. Dein Frust landet bei den Mitspielern.


Sinngemäß sagt sie: Emotion ist nicht nur ein Gefühl, sie wirkt auch auf andere. Dein Gesicht, deine Schultern, dein Tempo erzählen dem Gegner und deinem Team, wie es dir geht.


Woran du erkennst, dass dich Emotionen im Spiel bremsen

Hier sind sechs Signale, die ich dir zum Abgleich mitgebe:

•       Du reagierst nach einer Aktion noch eine Minute später mit Gedanken, Gesten oder Worten.

•       Du verlierst nach Fouls, Gelben Karten oder Fehlentscheidungen Zweikämpfe, die du sonst gewinnst.

•       Du ziehst die Schultern hoch, schaust zu Boden oder schüttelst den Kopf, wenn etwas schiefläuft.

•       Nach einem Tor, auch nach einem eigenen, bist du für ein paar Minuten nicht richtig da.

•       Du meckerst mit dem Schiedsrichter oder deinen Mitspielern, statt die nächste Aktion vorzubereiten.

•       Nach dem Spiel weißt du genau, was dich geärgert hat, aber kaum noch, was du in der Zeit danach gespielt hast.


Wenn du bei drei oder mehr Punkten nickst, lohnt sich der Plan gegen die Wirkung von Emotionen im Fußball. Wenn du bei einem nickst, auch.


Die Kurzfassung: Drei Schritte, in denen du dich fängst

Erst die Anleitung, dann die Erklärung. Du kannst das schon beim nächsten Training ausprobieren.


1.     Benenne es. Sag dir innerlich, was los ist: "Ärger" oder "Frust". Gib ihm eine Zahl von 1 bis 10. Das Benennen schafft einen Moment Abstand.

2.     Setz deinen Reset. Ein fester Auslöser, ein langer Atemzug, ein inneres Bild. Zusammen dauert das nur wenige Sekunden.

3.     Gib dem Ärger einen Auftrag. Du nutzt die Energie für die nächste Aktion: schneller zurück, mutiger in den Zweikampf, aber regelkonform, klareres Kommando an den Mitspieler.


Dahinter steckt keine Magie. Es ist ein Ablauf, den du wie einen Standard im Training einübst.


Warum Ärger dich Leistung kostet und wann er dir hilft

Ärger ist nicht dein Feind, auch nicht bei Emotionen im Fußball allgemein. Christian Reinhardt schreibt in "Gefährliche Emotionen" (Die Sportpsychologen, 2015), dass Ärger und Wut leistungsfördernd sein können, wenn ein Spieler angemessen damit umgeht. Der Punkt ist das "wenn".


Was dann passieren kann, beschreibt Daul. Die Konzentration geht verloren. Negative Gedanken und Selbstgespräche belasten dich. Die Wahrnehmung verengt sich, du siehst den freien Mitspieler nicht mehr. In Umschaltmomenten verlierst du Zeit. Eine schlechte Körpersprache schadet deinem eigenen Gemüt und gibt dem Gegner Auftrieb.


Daul unterscheidet zwei Richtungen: "Anger out" und "Anger in". Beim ersten geht der Ärger nach außen, in Worte, Gesten, Fouls. Beim zweiten kehrst du ihn nach innen und machst ihn mit dir selbst aus. Wer sich nach einem Fehler innerlich fertig macht, spielt im Grunde auch gegen sich.


Reinhardt macht noch einen Punkt auf, den viele Spieler unterschätzen: Auch Freude kann dich ablenken. Nach Toren sind Spieler häufig unkonzentriert. Kurz darauf fällt ein Gegentreffer. Torschützen werden verwarnt, weil die Freude in Übereifer kippt. Frust oder Sorgen nach einem Gegentor können Folgetore begünstigen. Starke Emotionen brauchen außerdem mehr Zeit, um sich zu regulieren. Plane deshalb nach einem Tor oder Gegentor bewusst einen Moment dafür ein. Die Quellen in diesem Beitrag sind Texte von Sportpsychologen und Fachportalen, keine Studien. Nimm sie als Ansatz zum Ausprobieren.


Ein weiterer Punkt von Seufert: Jeder Spieler hat nach dem von ihr beschriebenen Modell einen eigenen Bereich, in dem er seine beste Leistung abruft, ihre Optimalzone. Zu viel Stress, Nervosität oder Angst schaden. Zu wenig Anspannung oder Müdigkeit auch. Ärger ist also nicht schlecht, solange du in deiner Zone bleibst. Es kommt darauf an, dass du merkst, wann du drüber bist.


Zwei Typen im Vergleich: der Explodierer und der Schlucker

Stell dir vor, zwei Spieler bekommen in der 70. Minute dieselbe Fehlentscheidung gegen sich.


Der erste, nennen wir ihn den Explodierer, reklamiert, wirft die Arme hoch, geht auf den Schiedsrichter zu. Seine Karte ist nur eine Frage der Zeit. Bis zum nächsten Ballkontakt ist er nicht im Spiel.


Der zweite, der Schlucker, sagt nichts. Er beißt die Zähne zusammen und läuft weiter. Von außen sieht das reif aus. Innen läuft ein Film: Das hat er jetzt wieder gemacht, immer gegen uns. Drei Aktionen später schießt er den Ball ins Nichts.


Beide haben dasselbe Problem. Sie sind noch nicht beim nächsten Ball. Welcher Typ bist du? Wahrscheinlich beide, je nach Tag. Der Plan unten funktioniert für beide.


Die drei Schritte im Detail

Schritt 1: Benenne es

Warum ausgerechnet das? Weil du nichts regulieren kannst, was du nicht erkennst. Seufert schreibt, dass es besonders jungen Sportlern schwerfällt, ihre Emotionen zu benennen. Das ist kein Mangel, es ist Übungssache.


So gehst du vor:

1.     Achte beim nächsten Ärger darauf, wo dein Körper es zuerst zeigt. Kiefer, Hände, Atem, Bauch? Das ist dein Frühwarnsignal.

2.     Sag dir ein Wort dafür: "Ärger", "Frust", "Wut", "Enttäuschung". Nicht "bin sauer auf den Schiri", sondern das Gefühl selbst.

3.     Gib ihm eine Zahl. 1 ist ein Funke, 10 ist Platzverweis. Ab 6 greifst du ein. Das ist eine Faustregel, kein Messwert.


Drei Beispiele, wie das klingt. Ein Beispiel für dich: Du gehst nach dem Foul hoch, fasst dir an den Kiefer und sagst innerlich: "Wut, 7." Oder nach einem Fehlpass: "Frust, 5, mit mir selbst." Oder nach dem 1:0: "Freude, 8, runter auf 5, nächster Ball."

Die Übung für Schritt 1: Nimm nach dem Training deine Notiz-App und schreib drei Zeilen. Wann war der stärkste Moment heute? Wie hieß das Gefühl? Welche Zahl? Nach einer Woche kennst du deine Muster.


Was nicht funktioniert: "Reiß dich zusammen." Das ist ein Befehl, keine Methode. Er drückt das Gefühl nur nach unten, bis es später wieder hochkommt.


Schritt 2: Setz deinen Reset

Der Reset ist das Herzstück, wenn du Emotionen im Fußball steuern willst. Er besteht aus drei Teilen, wie Daul sie beschreibt: einem persönlichen Trigger, einem kurzen positiven Selbstgespräch und einem inneren Bild.


Der Trigger. Ein kleines Ritual, das den Reset startet. Daul nennt zum Beispiel, kurz auf die Zunge zu beißen oder mit zwei Fingern zu schnipsen. Such dir etwas, das niemand sieht und das du in jeder Situation machen kannst: Daumen gegen Zeigefinger drücken, mit der Hand das Wappen auf der Brust berühren, Schnürsenkel prüfen. Seufert beschreibt ein ähnliches Prinzip: einen persönlichen Anker wie den Kontakt mit dem Vereinswappen auf der Brust, der Ruhe vermittelt.


Der Atemzug. Paasch beschreibt in "Mentale Frische im Fußball" eine Atemübung mit acht Sekunden Ein- und Ausatmen und dazu die Idee, dass dein Großhirn die Kontrolle über Gefühle wie Angst und Ärger gewinnen soll. Auch Reinhardt nennt Atemübungen als Weg, körperliche Anspannung zu lösen. Auf dem Platz reichen dir zwei lange Atemzüge, du atmest länger aus als ein.


Das Bild und der Satz. Dazu ein kurzer Satz, der für dich passt, plus ein inneres Bild. Reinhardt empfiehlt, Selbstgespräche positiv, in der Gegenwart und in der Ich-Form zu formulieren. Statt "Der Schiri ist ein Witz" sagst du: "Ich bin ruhig. Nächster Ball." Als Bild eignet sich ein Ort oder Symbol, das dich beruhigt, wie Daul schreibt.

Zusammen: Trigger, zwei Atemzüge, ein Satz, ein Bild. Das dauert nur wenige Sekunden. Im Training darfst du dir Zeit lassen. Im Spiel nutzt du Unterbrechungen wie Einwurf, Freistoß oder Pfiff. Beim Umschalten bleibt dir nur das Stoppsignal und ein Atemzug.


Die Übung für Schritt 2, genannt Trockentraining: Daul beschreibt, dass sich der Spieler ärgerauslösende Situationen mit allen Sinnen vorstellt und in der Vorstellung mit seiner Routine reagiert. Das geht so:

1.     Setz dich ruhig hin und schließ die Augen.

2.     Stell dir die Szene vor: Foul, kein Pfiff, die Stimme des Trainers, das Gefühl im Bauch.

3.     Löse deinen Trigger aus, atme, sprich deinen Satz, hole dein Bild.

4.     Spiel die nächste Aktion im Kopf durch.

5.     Wiederhole das drei bis fünf Mal pro Einheit, jeden Tag, bis es automatisch läuft.


Was nicht funktioniert: Den Reset nur im Spiel auszuprobieren. Im Wettkampf ist der Ärger zu groß. Du übst, wenn es ruhig ist.


Schritt 3: Gib dem Ärger einen Auftrag

Jetzt kommt der Teil, der aus der Technik Leistung macht. Reinhardt empfiehlt eine Fokusverlagerung. Statt gegen einen Gedanken anzukämpfen, lenkst du die Aufmerksamkeit auf neue Inhalte, etwa auf Anweisungen an Mitspieler. Das Fachportal Fußballtraining sagt es in seinem Beitrag über den Umgang mit Emotionen der Spieler so: Wut soll im Spiel regelkonform in Einsatz und Leidenschaft fließen, nicht gegen Schiedsrichter, Gegner oder Mitspieler.


Dein Auftrag für die nächste Aktion kann so aussehen:

•       "Zehn Meter zurück, Pressing aufbauen." Der Körper wird beschäftigt.

•       "Rechter Halbraum zumachen." Du gibst dir eine klare Position.

•       "Links ist frei, ruf ihn an." Du gehst mit einem Kommando raus.

•       "Erster Kontakt sauber, einfacher Pass." Du holst dir den nächsten Erfolg.


Vorab legst du einen Auftrag je Position fest, damit du in der Szene nicht überlegen musst. Als Innenverteidiger könnte es heißen: "Kommando an die Kette". Als Stürmer: "Sofort anlaufen". Als Mittelfeldspieler: "Anspielstation werden."


Die Übung für Schritt 3, genannt Ärgertraining: Daul beschreibt Spielformen, in denen der Trainer bewusst falsche Schiedsrichterentscheidungen trifft, um die Routine zu festigen und den Stand der Ärgerbewältigung zu prüfen. Auch das Fachportal Fußballtraining nennt gezielte Provokationen in Übungsspielen. Du kannst das auch ohne Trainer üben: Sprich es mit deinem Trainer ab und bitte einen Mitspieler, im Trainingsspiel ab und zu etwas zu pfeifen, das nicht stimmt. Dann siehst du, wie du reagierst. Du trainierst deinen Reset unter Last.


Was nicht funktioniert: Dir zu verbieten, wütend zu sein. Wut darf da sein. Sie bekommt nur einen Ort, an dem sie dir hilft.


Dein Übungsplan für drei Wochen


Grafik mit drei Spalten für den Dreiwochenplan: Woche 1 Benennen, Woche 2 Reset im Training, Woche 3 Reset im Spiel
Mein Rat an dich: erst benennen, dann den Reset im Training üben, am Ende im Spiel anwenden.

Woche 1: Benennen. Noch nichts ändern, nur hinschauen und Gefühl plus Zahl notieren.

•       Nach jedem Training drei Zeilen: Moment, Gefühl, Zahl.

•       Den Körper-Frühalarm finden.

•       Trigger und Atemzug wählen und zu Hause üben.


Woche 2: Reset im Training. Im Training bei jedem Ärger den Reset setzen, mit Trockentraining zu Hause.

•       Täglich drei Wiederholungen Trockentraining mit den Augen zu.

•       Im Training bei jedem Frust Trigger, Atem, Satz, Bild.

•       Einmal ein Ärgertraining mit einem Mitspieler als "falscher Schiri" einbauen.


Woche 3: Reset im Spiel. Im Spiel bei jedem Reset den Auftrag für die nächste Aktion benennen.

•       Vor dem Spiel Trigger und Auftrag für deine Position im Kopf durchgehen.

•       Im Spiel ab Stärke 6 den Reset nutzen.

•       Nach dem Spiel auswerten: Wie oft ausgelöst? Wie lange bis zur nächsten sauberen Aktion?


Rückschau nach drei Wochen: Woran du erkennst, dass es wirkt

Du musst nicht auf ein Wunder warten. Du erkennst den Fortschritt an diesen Dingen:

•       Die Zeit zwischen Ärger und nächster guter Aktion wird kürzer.

•       Du bekommst weniger Karten, die aus Reklamieren oder Nachtreten entstehen.

•       Du hörst im Spiel mehr von deinem Trainer, nicht mehr nur den Ton.

•       Deine Mitspieler sprechen dich nach Fehlentscheidungen nicht mehr vorsichtig an.

•       Du kannst nach dem Spiel sagen, was du in den zehn Minuten nach dem Ärger gespielt hast.


Wenn du nach drei Wochen keine dieser Veränderungen siehst, ist das keine Niederlage. Dann schaust du, in welchem Schritt es hakt. Meist ist es Schritt 1: Du erkennst das Gefühl zu spät.


Ein Beispielablauf: so sieht dein Spieltag aus

Ein Beispiel für dich, damit du siehst, wie das zusammenpasst.

Vorabend. Zehn Minuten Trockentraining: das Foul ohne Pfiff, dein Trigger, deine Atemzüge, dein Satz. Du schreibst dir deinen Auftrag für die erste Aktion nach einer Fehlentscheidung auf.


Spieltag morgens. Du gehst deine drei Standardsituationen im Kopf durch: Foul ohne Pfiff, eigener Fehler, Gegentor.


Aufwärmen. Du legst deinen Trigger fest und benennst dein Gefühl in der Kabine mit einer Zahl. Wenn du schon bei 6 stehst, weißt du, dass du heute schneller kippst.


Minute 1 bis 40. Du bleibst im Rhythmus. Wenn etwas passiert, benennst du es innerlich, löst den Trigger aus und gehst in deinen Auftrag.


Halbzeit. Zwei Atemzüge. Du fragst dich: Wo war ich heute am nächsten dran, überzuziehen? Du hörst deinem Trainer zu.


Minute 46 bis 90. Gleiche Routine. Nach einem Tor, für dich oder gegen dich, atmest du einmal durch, bevor du jubelst oder dich ärgerst. So schützt du dich vor dem Gegentor direkt danach.


Nach dem Spiel. Drei Zeilen Notiz. Wie oft Reset? Wie schnell zurück? Was nehme ich mit?


Wenn es nicht klappt: Rückfälle und typische Fehler

Es wird Tage geben, an denen du den Reset vergisst oder an denen der Ärger lauter ist. Das ist kein Beweis, dass es nichts bringt. Es ist Training.


Was du bei einem Rückfall tust

1.     Kein Urteil über dich selbst. Der Satz "Das schaffe ich nie" ist genau der Selbstgesprächsmüll, den du loswerden willst.

2.     Notiere die Szene, die dich erwischt hat, mit Gefühl und Zahl.

3.     Prüfe, in welchem Schritt es hakte: erkannt, zu spät gestartet, falscher Auftrag?

4.     Trainiere die Szene gezielt im Trockentraining nach.


Typische Fehler

•       Zu viel auf einmal. Du willst Trigger, Atem, Bild und Auftrag ab Tag eins. Start mit Schritt 1.

•       Den Reset nur im Ernstfall nutzen. Wer ihn nie vorher übt, vergisst ihn, wenn es zählt.

•       Den Ärger unterdrücken. Das Gefühl bleibt, es sucht sich später einen Weg.

•       Dem Schiedsrichter die Schuld geben. Das fühlt sich erleichternd an, bringt dir aber keine Kontrolle zurück.

•       Nach Toren nicht regulieren. Wie Reinhardt beschreibt, fällt nach Treffern oft ein Gegentor. Dein Reset gilt auch für Freude.


Einwände und häufige Fragen

Was du jetzt vielleicht denkst

"Ohne Wut spiele ich schlechter." Dann behalte sie. Reinhardt schreibt, dass Ärger und Wut leistungsfördernd sein können, wenn du angemessen damit umgehst. Der Plan nimmt dir nichts weg. Er gibt der Energie eine Richtung.


"Ich bin einfach ein emotionaler Typ." Das bist du. Daraus wird nur ein Problem, wenn die Emotion dein Spiel übernimmt. Seufert sagt, jeder Spieler hat eine eigene Optimalzone, du findest deine durch Ausprobieren.


"Im Spiel habe ich dafür keine Zeit." Zehn Sekunden hast du fast immer: bei einem Einwurf, einer Freistoßvorbereitung, nach einem Pfiff. Je öfter du übst, desto kürzer wird der Reset.


"Das sieht doch jeder, wenn ich so ein Ritual mache." Daumen gegen Zeigefinger sieht keiner. Auch Schnipsen oder ein Atemzug fallen nicht auf. Dein Gegner sieht eher, wenn du den Kopf schüttelst.


"Mein Trainer brüllt mich an, wie soll ich da ruhig bleiben?" Das ist einer der Auslöser, die Daul nennt. Dein Reset hilft dir auch hier. Wenn das Verhältnis zum Trainer dauerhaft belastet, sprich in einem ruhigen Moment mit ihm, nicht nach dem Spiel.


"Ich bin 16, das ist eine ganz andere Situation als bei Erwachsenen." Im Jugendbereich hast du oft mehr Gefühl und weniger Routine. Starte mit Schritt 1 und gib dir Zeit. Im Leistungsbereich ist der Druck höher, im Amateurbereich oft die Nähe zum Gegner. Der Ablauf bleibt gleich.


Ein klarer Hinweis: Mental Coaching ersetzt keine Behandlung. Wenn dich Wut oder Frust über Wochen belasten, auch außerhalb des Platzes, oder wenn du dich nicht mehr im Griff hast, hol dir ärztliche oder psychologische Hilfe. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein kluger Schritt.


Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis der Reset im Spiel funktioniert? Das hängt von dir ab. Der Dreiwochenplan gibt dir einen Rahmen. Wichtig ist, dass du regelmäßig übst und auswertest. Es sind Wiederholungen bis zur Automatisierung nötig sind.


Darf ich mich überhaupt ärgern? Ja. Ärger zeigt, dass dir etwas wichtig ist. Es geht um den Umgang, nicht um das Gefühl.


Was mache ich, wenn ich eine Gelbe Karte habe und vorsichtig sein muss? Dann ist dein Auftrag klar: Körpersprache ruhig, kein Nachtreten, Aufgaben im Pressing statt im Zweikampf. Dein Reset wird in diesem Moment besonders wichtig.


Hilft das auch nach Toren? Ja, denn auch Freude kann zu Unkonzentriertheit führen. Ein Atemzug vor dem Jubeln und einer danach reichen oft.


Kann ich das auch mit meinem Team üben? Ja. Ein Ärgertraining mit bewusst falschen Entscheidungen lässt sich in jedes Trainingsspiel einbauen. Sprich mit deinem Trainer darüber.


Wie ich mit Spielern arbeite

Ich hatte kein Talent, nur Arbeit. In den 90ern spielte ich semiprofessionell, mit Vertrag, neben der Bundeswehr. Dann hatte ich einen laufenden Vertrag, den ich ein Jahr lang nicht erfüllen konnte. Ich trainierte fünfmal die Woche und kam nicht zum Spielen. Mir ging die Lust am Fußball verloren.


Das war kein Scheitern. Es war eine Erkenntnis: Fußball braucht mehr als Technik und Einsatz. Es braucht Menschen, die sich von innen kennen.


Im 1:1-Coaching arbeite ich mit Spielern von der Oberliga bis zur 2. Bundesliga, ausschließlich an der Kopfarbeit: Emotionen regulieren, das Selbstbild prüfen, Muster erkennen, den Fokus setzen.


Was dahinter steht:

•       Business-Coach (SGD)

•       Sport-Mentaltrainer und Stress- und Burnout-Coach (Academy of Sport)

•       15 Jahre Führung in der Wirtschaft, Führungskräfte und Teams entwickelt

•       Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg (2020)

•       100 Menschen und 20 Teams begleitet


Leistung allein reicht nicht. Persönlichkeit macht den Unterschied.


Dein nächster Schritt

Fang beim nächsten Training mit Schritt 1 an. Drei Zeilen: Moment, Gefühl, Zahl. Mehr brauchst du heute nicht.


Wenn du merkst, dass du allein nicht weiterkommst, oder wenn du an deinem Reset gemeinsam arbeiten willst, melde dich bei mir.


Auf carstenrollik.com kannst du ein Erstgespräch anfragen.

 
 
 

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