Aufstellung kommunizieren: Wie du Spielern sagst, dass sie nicht spielen, ohne die Beziehung zu verlieren
Autorität ist kein Titel. Bei kaum etwas zeigt sich das so deutlich wie bei der Aufstellung. Ich kenne beide Seiten der Kabine. Entscheidend ist selten die Entscheidung selbst. Entscheidend ist, wie du die Aufstellung kommunizieren kannst, ohne die Beziehung zu verlieren.
Vielleicht kennst du den Donnerstagabend vor dem Spiel. Du sitzt mit der Aufstellung auf dem Tisch. Elf Namen, sieben auf der Bank, drei, die nicht einmal im Kader sind. Du weißt schon jetzt, bei wem es wehtun wird. Ein Spieler hat in der Woche richtig gut trainiert. Einer hat seit Wochen keine Minute bekommen. Einer ist 17 und hat sich nach vorn gearbeitet.
Dein Handy liegt neben dir. Du hast zwei Nachrichten von Eltern, die vorsichtig nach der Spielzeit fragen. Dein Bauch sagt: Mach es kurz. Sag es am Samstag in der Kabine, dann ist es raus.
Aber du merkst die Spannung in der Brust. Das Gespräch, vor dem du dich drückst, wird nicht leichter, wenn du es verschiebst. Du weißt, dass die Mannschaft genau hinsieht, wie du mit denen umgehst, die draußen bleiben.
Aufstellung kommunizieren: Das schwerste Gespräch der Woche
Fast jeder Trainer kennt dieses Gefühl. Du entscheidest, wer spielt. Ein anderer sitzt draußen. Beide kommen am Montag wieder zum Training und beobachten, was du daraus machst.
Das Fachportal soccerdrills beschreibt es in seinem Beitrag "Startmannschaft oder Ergänzungsspieler?" ohne Umschweife: Der Trainer entscheidet, wer nominiert wird, wer startet und wer Ergänzungsspieler ist. Dabei entstehen oft Konflikte, weil nicht berücksichtigte Spieler sich zurückgesetzt fühlen. Der Trainer muss auch gegen Widerstand entscheiden. Ob eine Entscheidung gut war, zeigt sich oft erst später.
Der Sportpsychologe Ole Fischer geht in seinem Beitrag "Als Trainer eine Kadernominierung optimal kommunizieren" noch einen Schritt weiter. Nominierungen schaffen eine Abhängigkeit: Der Spieler hängt von deiner Entscheidung ab. Du hängst von seiner Leistung ab. Spieler nehmen Auslassungen oft persönlich. Der Trainer wird dann schnell zum Schuldigen. Fischer sieht darin einen üblichen Teil des Jobs.
Das ist die entlastende Nachricht: Du bist nicht schlecht in deinem Job, nur weil ein Spieler enttäuscht ist. Das gehört dazu. Die Frage ist nur, wie du damit umgehst.
Woran du erkennst, dass deine Kommunikation Probleme macht
Hier sind sechs Signale, die dir etwas sagen können:
• Spieler erfahren ihre Rolle erst in der Kabine oder über Mitspieler.
• Der Spieler, der nicht spielt, wird im Training stiller, schaut weg oder kommt später.
• Eltern oder Berater melden sich, bevor der Spieler selbst das Gespräch sucht.
• In der Mannschaft kursieren Gerüchte über die Aufstellung, bevor du sie bekannt gibst.
• Du merkst, dass du Spielern aus dem Weg gehst, die du enttäuscht hast.
• Spieler fragen dich immer wieder dasselbe: "Warum spiele ich nicht?"
Bei drei Punkten oder mehr lohnt sich der Plan unten. Bei einem auch.
Die Kurzfassung: Drei Schritte für die Aufstellung
Erst die Anleitung, dann die Erklärung. Dein Ziel: die Aufstellung kommunizieren, bevor Gerüchte es für dich tun. Du kannst diese Woche damit anfangen.
1. Kläre deine Kriterien. Schreib dir vor jeder Aufstellung in zwei Sätzen auf, wonach du entscheidest. Ohne klare Gründe kannst du keinem etwas erklären.
2. Führe das Vier-Augen-Gespräch. Wer nicht spielt, hört es von dir, bevor es die Mannschaft erfährt. Vier Teile: Klartext, Grund, Perspektive, Raum für Reaktion.
3. Bleib danach dran. Die Entscheidung ist am Samstag gefallen. Die Beziehung entscheidet sich am Montag im Training.
Warum Schweigen mehr kostet als ein hartes Gespräch
Die Broschüre "Eine Arbeitshilfe für den wertschätzenden Umgang mit Sportlerinnen und Sportlern" (INQA, Psyga, Leistungssport) beschreibt ein Muster, das du vielleicht kennst. Athleten wünschen sich ehrliche Kommunikation, auch bei schlechten Nachrichten. Trainer scheuen sich oft davor, weil sie Konflikte fürchten. Das führt laut Broschüre meist zu größeren Konflikten, weil sich Einzelne übergangen fühlen.
Das ist der Denkfehler: Wer schweigt, glaubt, er schützt die Beziehung. In Wahrheit verschiebt er das Problem. Der Spieler füllt die Lücke mit seinen eigenen Geschichten. Das sind selten die freundlichen.
Zwei Trainertypen im Vergleich: der Verschweiger und der Erklärer
Stell dir zwei Trainer vor, beide mit der gleichen Aufstellung.
Der Verschweiger hängt die Aufstellung am Spieltag in der Kabine aus. Er hofft, dass sich keiner beschwert. Der Spieler, der nicht dabei ist, liest seinen Namen nicht und fährt wortlos nach Hause. Mit seinem Trainer redet er danach kaum. Beide wissen, dass etwas nicht stimmt, keiner spricht es an.
Der Erklärer ruft den Spieler zwei Tage vorher an und trifft ihn nach dem Training. Er sagt, was Sache ist. Der Spieler ist enttäuscht, vielleicht sauer. Aber er weiß, woran er ist. Er hat eine Aufgabe für die nächsten Wochen. Am Spieltag steht er trotzdem an der Seitenlinie und feuert an.
Wer die Aufstellung kommunizieren will wie der Erklärer, muss keine Rede halten. Er muss nur früh genug sprechen. Der Erklärer hat nicht weniger Konflikte. Er hat sie früher. Sie sind klarer.
Was Frust mit Leistung zu tun hat
Das Fachportal Fußballtraining beschreibt in seinem Beitrag zum Umgang mit Emotionen, wie Frust bei Ersatzspielern wirken kann. Er kann Ansporn sein. Spieler sollen ihn in Leistung umwandeln, etwa durch härteres Training und konzentrierteres Spiel. Die Haltung "Ich gebe auf" nützt niemandem. Aber diese Wendung gelingt nur, wenn der Spieler weiß, woran er arbeiten soll. Ein Spieler, der nach einer Verletzung noch geschont wird, braucht eine verständliche Erklärung. Dasselbe gilt für den Spieler, der draußen sitzt. Ohne Erklärung bleibt Frust Frust. Mit Erklärung kann er zum Antrieb werden.
Warum das auf jeder Ebene anders aussieht
Das Fachportal soccerdrills unterscheidet nach Ebenen. Im Kinderfußball zählen laut Artikel Ausbildungskonzepte. Im Jugendleistungsfußball zählen die Leistungsstärke und der Erfolgsdruck. Im Erwachsenenfußball gilt: je tiefer die Spielklasse, desto demokratischer die Entscheidungen. Im Profibereich beeinflussen Verein, Fans, Medien und Prämien die Aufstellung.
Daraus folgt: Der Rahmen für dein Gespräch ändert sich mit der Ebene. In der Jugend sprichst du mit dem Spieler und oft auch mit den Eltern. Im Amateurbereich darf die Mannschaft mehr mitreden, das Gespräch mit dem Betroffenen bleibt trotzdem unter vier Augen. Im Leistungsbereich geht es um Klarheit und Perspektive. Der Ablauf unten funktioniert überall, die Wortwahl nicht.
Die drei Schritte im Detail
Schritt 1: Kläre deine Kriterien
Das Gespräch beginnt nicht im Gespräch. Es beginnt am Schreibtisch.
So gehst du vor:
1. Schreib vor jeder Aufstellung für jeden Wackelkandidaten zwei Sätze auf: Warum spielt er? Warum spielt er nicht?
2. Prüfe, ob der Grund für den Spieler nachvollziehbar wäre. "Mein Gefühl" ist ein Grund für dich, kein Grund für ihn.
3. Lege fest, wann du es sagst. Fischer empfiehlt, weder zu früh noch zu spät zu entscheiden. Der späteste sinnvolle Zeitpunkt ist meist der beste, außer ein Spieler stört das Teamgefüge. Soccerdrills nennt als üblichen Zeitpunkt die letzte Mannschaftsbesprechung, weist aber darauf hin, dass eine frühe Bekanntgabe Sicherheit geben kann. Meine Unterscheidung: Die Aufstellung gibst du spät bekannt, das Gespräch mit den Betroffenen führst du früher.
Drei Beispiele für Kriterien, wie sie klingen können. Ein Beispiel für dich: "Er hat im Training die letzten zwei Wochen die Positionsvorgaben am sichersten umgesetzt." Oder: "Wir brauchen gegen diesen Gegner einen Spieler, der Tiefe läuft. Das ist heute er." Oder: "Er ist noch nicht fit genug für 90 Minuten, deshalb steht er im Kader, aber nicht in der Startelf."
Die Übung für Schritt 1: Führe eine Woche lang eine Entscheidungsnotiz. Für jeden Spieler, bei dem es wehtun wird, zwei Sätze mit Grund und Perspektive. Lies sie laut. Wenn du dich beim Vorlesen unwohl fühlst, ist der Grund nicht stark genug.
Ein Beispiel für dich, wie eine Entscheidungsnotiz aussehen kann: "Marco spielt: setzt die Positionsvorgaben im Training am sichersten um. Dennis spielt nicht: Die Positionsvorgaben sitzen noch nicht. Perspektive: Tiefenläufe gegen die Kette im Training, danach neu bewerten." Mehr braucht die Notiz nicht.
Was nicht funktioniert: Dich auf die Position zu beziehen, wenn es in Wahrheit um Leistung geht. Spieler spüren das. Das kostet dich Vertrauen.
Schritt 2: Das Vier-Augen-Gespräch
Fischer hält ein persönliches Gespräch unter vier Augen oft für besser als eine Bekanntgabe vor der Mannschaft, weil der Spieler die Entscheidung so besser verarbeiten kann. Soccerdrills empfiehlt dasselbe: Nicht berücksichtigte Spieler sollten vor der offiziellen Bekanntgabe unter vier Augen informiert werden, damit sie vor dem Team ihr Gesicht wahren können.
Das Gespräch hat vier Teile, jeder in ein bis zwei Sätzen:
1. Klartext. Du sagst, was Sache ist, gleich zu Beginn. Nicht erst eine Runde Smalltalk. Der Spieler soll nicht raten müssen.
2. Grund. Du nennst das Kriterium aus Schritt 1. Fischer empfiehlt transparente Begründung und Fingerspitzengefühl. Der Spieler soll spüren, dass die Entscheidung dir nicht egal war, auch wenn sie dir leichtfiel.
3. Perspektive. Du nennst konkrete Ziele oder Aufgaben für die Zukunft. Fischer empfiehlt ausdrücklich, die Entscheidung dafür zu nutzen. "Du bist raus" reicht nicht. "Das ist der Punkt, an dem du dich verbessern kannst" gibt dem Spieler etwas, das er tun kann.
4. Raum. Du lässt ihm Zeit zur Reaktion. Er darf enttäuscht sein. Du musst es nicht sofort auflösen.
Ein Beispiel für dich, wie das klingt, bei einem Erwachsenen im Amateurbereich: "Dennis, ich sage es dir direkt. Du startest am Samstag nicht. Ich setze auf Marco, weil er im Training die letzten zwei Wochen die Positionsvorgaben besser umgesetzt hat. Wenn es das Spiel hergibt, bekommst du Minuten in der zweiten Halbzeit. Dein Ziel für die nächsten zwei Wochen: Tiefenläufe gegen die Kette, davon hängt viel ab. Ich weiß, dass das nicht das ist, was du hören willst."
Ein zweites Beispiel für die Jugend: "Tim, ich sage dir vor dem Spiel, wie es aussieht. Du bist dieses Mal auf der Bank. Ich möchte, dass du siehst, wie das Spiel läuft. Dein Auftrag: Beobachte, wie unser Außenverteidiger sich zum Ball bewegt. Sag es mir in der Halbzeit."
Ein drittes Beispiel für Kader und Nichtberücksichtigung: "Paul, du stehst diese Woche nicht im Kader. Der Grund ist die Fitness. Ich möchte, dass du im Training mit dem Athletikplan weitermachst. In zwei Wochen sprechen wir wieder."
Wenn der Spieler wütend reagiert
Nicht jeder nickt. Ein Beispiel für dich, damit du weißt, was du sagen kannst:
"Das ist unfair, ich habe die ganze Woche Gas gegeben." Du: "Das stimmt, du hast viel investiert. Ich sehe das. Meine Entscheidung bleibt trotzdem. Ich sage dir, woran es lag. Ich sage dir auch, was ich von dir sehen will." Pause. Du lässt ihn sitzen, du verteidigst dich nicht.
Der Spieler sagt: "Dann kann ich auch gleich gehen." Du: "Ich möchte, dass du bleibst. Gib mir zwei Tage, dann reden wir noch einmal. Bis dahin gilt: Du trainierst voll mit."
Du musst nicht alles auflösen. Du musst klar bleiben, freundlich und ruhig. Aufstellung kommunizieren heißt nicht, Streit zu vermeiden, sondern ihn auszuhalten.
Die Übung für Schritt 2: Schreib dir die vier Teile auf eine Karte und nimm sie mit zum Gespräch. Üb den ersten Satz vorher laut. Er ist der schwerste.
Was nicht funktioniert: Den Spieler vor der Mannschaft bloßstellen. Das ist laut Fischer eine Demütigung, die das Verhältnis belastet. Auch lange Rechtfertigungen helfen nicht, weil der Spieler dann nur das Wort "aber" hört.
Schritt 3: Bleib danach dran
Das Gespräch ist der Anfang. Die Beziehung gewinnst oder verlierst du in den Tagen danach.
Das Fachportal soccerdrills nennt konkrete Wege, Spieler einzubinden, die nicht spielen: im Training gleiche Aufmerksamkeit geben, regelmäßig das Gespräch suchen und ihre Meinung nach dem Spiel ernst nehmen. Sie können Statistiken führen, das Spiel beobachten und ihre Einschätzungen in der Halbzeit einbringen. Frust ernst nehmen und vermitteln, dass sie Chancen haben. Das Fachportal Fußballtraining ergänzt, dass der Trainer über die Gefühlslage seiner Spieler informiert sein und im Gespräch bleiben soll. Frust kann Ansporn sein, aber nur, wenn der Spieler eine verständliche Erklärung bekommen hat.
Die Broschüre von INQA und Psyga fügt hinzu, dass auch Reservespieler informiert bleiben und sich zugehörig fühlen sollen.
Konkrete Wege:
• Am Montag nach dem Spiel kurz fragen: "Wie geht es dir damit?" Ein Satz reicht.
• Im Training bewusst eine Aufgabe in der Startelf-Struktur vergeben.
• Dem Spieler einen Beobachtungsauftrag geben, den du in der Halbzeit abfragst.
• Nach zwei Wochen ein Kurzgespräch: Was hat sich verändert?
Ein Beispiel für dich, wie der Montag klingen kann: "Dennis, kurz zu Samstag. Wie ist es dir seitdem gegangen? Ich will wissen, was du brauchst, damit du in zwei Wochen wieder angreifst." Zwei Sätze, keine Rechtfertigung.
Die Übung für Schritt 3: Führe eine Liste mit den Spielern, die zuletzt nicht gespielt haben. Neben jedem Namen ein Datum für das nächste Kurzgespräch. Streiche es erst, wenn es stattgefunden hat.
Was nicht funktioniert: So zu tun, als wäre nichts gewesen. Der Spieler merkt, dass du ausweichst.
Dein Übungsplan für drei Wochen

Woche 1: Kriterien. Vor jeder Aufstellung zwei Sätze zu Grund und Perspektive notieren.
• Eine Entscheidungsnotiz für jeden Wackelkandidaten führen.
• Das erste Vier-Augen-Gespräch führen, das du sonst vermeiden würdest.
• Danach aufschreiben, was gut lief und was nicht.
Woche 2: Gespräch. Nach jedem Spiel mit dem Vier-Teile-Gespräch an alle Betroffenen herantreten.
• Das Gespräch mit Karte, vor dem Spieltag.
• Einen Beobachtungsauftrag für Spieler auf der Bank vergeben.
• Im Training einmal ein Kurzgespräch mit einem Spieler führen, der zuletzt nicht gespielt hat.
Woche 3: Dranbleiben. Kurzgespräche und Aufgaben für alle, die nicht gespielt haben, im Kalender festhalten.
• Die Liste der Spieler ohne Einsatz führen und abhaken.
• Mit einem Führungsspieler besprechen, wie die Stimmung in der Mannschaft ist.
• Eine Sache festhalten, die du behältst.
Rückschau nach drei Wochen: Woran du erkennst, dass es wirkt
• Spieler fragen weniger oft nach, weil sie die Antwort schon kennen.
• Der Spieler ohne Einsatz bleibt im Training präsent.
• Eltern oder Berater melden sich seltener, weil der Spieler selbst redet.
• Du gehst mit weniger Anspannung in die Gespräche.
• Die Mannschaft spricht nach der Aufstellung weniger über die Aufstellung.
Wenn du keine Veränderung siehst, schau dir an, wo es hakt. Meist ist es der Grund: Er ist noch nicht klar genug, um ihn auszusprechen.
Ein Beispielablauf: So sieht deine Spielwoche aus
Ein Beispiel für dich, damit du die Schritte in einer Woche siehst.
Sonntag nach dem Spiel. Kurze Notiz: Wer hat überzeugt, wer nicht? Welche Gespräche stehen an?
Montag. Kurzgespräch mit dem Spieler, der am Samstag nicht gespielt hat. Ein Satz: "Wie geht es dir damit?" Dann zuhören.
Dienstag. Training. Bewusst jedem Spieler dieselbe Aufmerksamkeit. Beobachten, wer sich anbietet.
Mittwoch. Entscheidungsnotiz für die Aufstellung am Samstag. Zwei Sätze je Wackelkandidat.
Donnerstag. Nach dem Training die Vier-Augen-Gespräche mit denen, die nicht in der Startelf stehen. Mit Karte, mit Perspektive.
Freitag. Letzte Besprechung. Du gibst die Aufstellung bekannt. Die betroffenen Spieler wissen es schon.
Samstag. Spieltag. Spieler auf der Bank bekommen ihren Beobachtungsauftrag. In der Halbzeit fragst du nach.
Der nächste Sonntag. Von vorn.
Der Ablauf ist ein Muster. Bei einem Spiel unter der Woche oder einem Turnier verschiebst du die Tage. Die Reihenfolge bleibt: erst Kriterien, dann Gespräch, dann dranbleiben.
Wenn es nicht klappt: Rückfälle und typische Fehler
Es wird Gespräche geben, die schiefgehen. Ein Spieler reagiert wütend oder sagt gar nichts. Oder du erwischst dich dabei, dass du ausweichst. Das ist kein Beweis, dass es falsch ist, sondern Teil der Übung.
Was du bei einem Rückfall tust
1. Nimm die Reaktion nicht persönlich. Fischer sagt, Ärger sei üblicher Teil des Jobs.
2. Lass dem Spieler Zeit. Er muss nicht am gleichen Tag verstehen.
3. Geh nach ein bis zwei Tagen noch einmal auf ihn zu: "Ich weiß, dass das gestern nicht leicht war."
4. Prüfe, ob der Grund wirklich klar war.
5. Wenn sich ein Spieler über Wochen zurückzieht, sprich ihn offen darauf an. Bei Jugendlichen gehören die Eltern dazu. Hilft das nicht, vermittle professionelle Unterstützung.
Typische Fehler
• Zu spät sprechen. Der Spieler erfährt es über Dritte. Dann ist das Vertrauen schon beschädigt.
• Vor der Mannschaft ansprechen. Das beschämt, auch wenn es sachlich gemeint ist.
• Keine Perspektive nennen. Ohne Aufgabe bleibt nur das Gefühl, aussortiert zu sein.
• Mit Floskeln antworten. "Das war eine schwere Entscheidung" ohne Grund klingt hohl.
• Nach dem Gespräch abtauchen. Dann war das Gespräch nur Pflicht, kein Angebot.
• Regeln predigen, die du selbst nicht lebst. Die INQA-Broschüre betont, dass Glaubwürdigkeit zentral ist: Wer etwas sagt und anders handelt, verliert Vertrauen. Wenn Trainingsleistung zählt, muss sie zählen.
Einwände und häufige Fragen
Was du jetzt vielleicht denkst
"Ich habe keine Zeit für Einzelgespräche." Das Gespräch dauert drei Minuten. Die Auswirkung hält Wochen. Das Gespräch, das du nicht führst, kostet dich mehr Zeit, nämlich in Form von Spannung im Training.
"Erklären schwächt meine Autorität." Autorität ist kein Titel. Soccerdrills sagt, der Trainer muss auch gegen Widerstand entscheiden. Das letzte Wort hast du. Eine Begründung nimmt dir nichts weg, sie macht die Entscheidung greifbar.
"Der soll sich im Training anbieten, dann spielt er." Das stimmt oft. Aber wenn du es nicht sagst, weiß er nicht, was er konkret tun soll. Nenne ihm den Punkt.
"Wenn ich jedem alles erkläre, komme ich zu nichts anderem mehr." Du erklärst nicht allen. Du sprichst mit denen, bei denen es wehtut. Das sind selten mehr als zwei oder drei pro Woche.
"Die Eltern rufen sofort an, wenn ich es dem Kind sage." Im Jugendbereich sprichst du am besten zuerst mit dem Spieler. Wenn Eltern nachfragen, kannst du denselben Grund nennen und auf das Gespräch verweisen.
"Mein Kapitän regelt das doch." Der Kapitän kann unterstützen. Die Entscheidung kommunizierst du selbst. Das ist Teil deiner Rolle.
"Mein Spieler redet nicht mit mir." Dann beginnt das Gespräch mit einer Frage statt mit einer Erklärung. "Was hast du gehört?" kann mehr öffnen als jeder Satz von dir. Bleib ruhig, auch wenn Schweigen entsteht. Du musst die Stille nicht füllen.
Häufige Fragen
Wann sage ich es, früh oder spät? Fischer empfiehlt, nicht zu früh und nicht zu spät. Der späteste sinnvolle Zeitpunkt ist meist der beste, außer ein Spieler stört das Teamgefüge. Soccerdrills nennt die letzte Mannschaftsbesprechung als üblichen Zeitpunkt, wobei eine frühe Bekanntgabe Sicherheit geben kann.
Muss ich meine Entscheidung begründen? Fischer empfiehlt es, soccerdrills hält es nicht zwingend für nötig, sieht aber meist einen Nutzen. Meine Antwort: Wer begründet, bleibt glaubwürdig.
Was ist, wenn ein Spieler wegen Disziplin draußen ist? Dann erklärst du es laut Soccerdrills auch vor der Mannschaft, damit alle die Regel kennen. Das Gespräch unter vier Augen führst du trotzdem.
Wie gehe ich mit Eltern um? Erst der Spieler, dann die Eltern. Gleicher Grund, gleiche Perspektive.
Was, wenn ich mich geirrt habe? Soccerdrills schreibt, dass der Trainer Fehler nach dem Spiel offen zugeben darf. Das wirkt glaubwürdig.
Wie ich mit Trainern arbeite
Ich war Spieler, Ausbilder und Führungskraft und stehe selbst als Jugendtrainer am Platz. Ich kenne beide Seiten der Kabine.
Ich arbeite mit Trainern und Vereinen und begleite im 1:1-Coaching Spieler von der Oberliga bis zur 2. Bundesliga.
Was dahinter steht:
• Business-Coach (SGD)
• Sport-Mentaltrainer und Stress- und Burnout-Coach (Academy of Sport)
• 15 Jahre Führung in der Wirtschaft, Führungskräfte und Teams entwickelt
• Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg (2020)
• 100 Menschen und 20 Teams begleitet
Leistung allein reicht nicht. Persönlichkeit macht den Unterschied.
Dein nächster Schritt
Schreib dir vor dem nächsten Spiel für den Spieler, bei dem es wehtun wird, zwei Sätze auf: Grund und Perspektive. Mehr nicht. Dann sprich mit ihm, bevor du die Aufstellung bekannt gibst.
Wenn du mit mir an Kommunikation, Kabinenführung und schwierigen Gesprächen arbeiten willst, melde dich.
Auf carstenrollik.com kannst du ein Gespräch anfragen.



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