Erfolgreicher Trainer im Fußball: Was ihn vom guten Trainer unterscheidet und welche 3 Schritte du diese Woche gehen kannst
Aktualisiert: vor 7 Tagen
Wie wird aus einem guten Trainer ein erfolgreicher Trainer? Meine Antwort beginnt bei mir als Spieler. Ich hatte kein Talent, nur Arbeit. In den 90ern spielte ich semiprofessionell, mit Vertrag, neben der Bundeswehr. Dann hatte ich einen laufenden Vertrag, den ich ein Jahr lang nicht erfüllen konnte. Ich trainierte fünfmal die Woche und kam nicht zum Spielen. Mir ging die Lust am Fußball verloren.
Ich weiß, wie sich das anfühlt, wenn du alles gibst und nichts davon ankommt. Die andere Seite kenne ich inzwischen auch. Vielleicht kennst du diesen Dienstagabend. Die Einheit war sauber. Pressing, Übergangsspiel, Abschlüsse. Fachlich eine Eins. Trotzdem fährst du mit einem Knoten im Bauch nach Hause. Der Außenverteidiger spricht seit Samstag kaum noch mit dir. Zwei Jungs aus der zweiten Reihe schauen beim Aufwärmen auf den Boden. Der Kapitän nickt in der Kabine zu allem. Draußen erzählt er dann das Gegenteil.
Du fragst dich: Ich mache doch alles richtig. Warum zieht die Mannschaft nicht mit?
Das Problem liegt nicht auf dem Platz. Es liegt in den Gesprächen, die niemand geführt hat. In den Erwartungen, die nie jemand ausgesprochen hat. In der Verantwortung, die du bei dir behalten hast, weil es schneller geht. Ende Oktober hat sich in vielen Mannschaften etwas festgesetzt. Genau jetzt kannst du es noch drehen.
Du bist mit diesem Gefühl nicht allein
Fast jeder Trainer kennt solche Abende. Der Sportpsychologe Jan Mayer beschreibt in einem Vortrag auf dem Trainerkongress 2015, dass Trainer von den Leistungen ihrer Spieler abhängig sind, unter öffentlicher Kritik stehen und oft wenig Zeit haben, sich selbst weiterzuentwickeln.
Im Amateur- und Jugendbereich kommt etwas dazu, das du aus dem Alltag kennst. Viele Eltern sehen nur die Trainingseinheit. Den Aufwand für Vorbereitung und Organisation bemerken sie kaum. Erwartungen bleiben unausgesprochen. So beschreibt es ein Bericht auf web.de über Konflikte zwischen Eltern und Jugendtrainern. Wer das Schweigen im Kader und die Erwartung am Spielfeldrand gleichzeitig aushalten muss, fragt sich irgendwann, ob die eigene Arbeit überhaupt ankommt.
Die Gedanken auf der Heimfahrt klingen bei vielen ähnlich. Die hören mir gar nicht zu. Ich gebe hier meine Abende her. Keiner merkt es. Dahinter steckt selten böser Wille. Meistens fehlt ein Gespräch, eine klare Erwartung oder eine Aufgabe, die Verantwortung überträgt.
Dein Gefühl ist deshalb kein Zeichen von Schwäche. Es zeigt, dass dir deine Spieler nicht egal sind. Es zeigt auch, dass Fachwissen allein die Lücke nicht schließt.
Woran du erkennst, dass die Mannschaft nicht mitzieht
Meistens kommt es nicht mit einem Knall. Es kommt in kleinen Signalen, die im Alltag leicht untergehen. Prüf diese fünf:
• Spieler stellen nach dem Training keine Rückfragen mehr. Früher kamen sie, jetzt kommt ein Nicken.
• Die Kabine wird still, sobald du reinkommst. Sobald du gehst, wird es laut.
• Dieselben zwei Spieler tragen jedes Gespräch. Alle anderen warten ab.
• Fehler werden versteckt statt angesprochen. Keiner sagt dir, dass er eine Anweisung nicht verstanden hat.
• Die Bank hängt beim Torjubel erst spät mit rein.
Ein Signal allein heißt wenig. Drei davon in derselben Woche heißen, dass etwas nicht ausgesprochen wird. Das ist die gute Nachricht dabei. Was nicht ausgesprochen wird, lässt sich aussprechen.
Schreib dir heute auf, welche der fünf Punkte bei dir zutreffen. Du brauchst die Liste später, wenn du nach drei Wochen vergleichst, was sich verändert hat.
Kurzfassung: Drei Schritte, die dich diese Woche weiterbringen
Wenn du nur eine Minute hast, nimm das hier mit:
1. Führe jeden Spieler, nicht nur die Startelf. Sprich mit den Spielern, die draußen sitzen, bevor sie dich ansprechen.
2. Baue Autorität über Verhalten auf. Sag klar, was du erwartest. Begründe es. Halte dich selbst daran.
3. Gib Verantwortung ab. Übergib dem Mannschaftsrat drei feste Aufgaben, die heute bei dir liegen.
Den Rest dieses Beitrags nutzt du, um jeden Schritt konkret umzusetzen.
Warum Fachwissen allein nicht reicht
Fachkompetenz bleibt unverzichtbar. Ohne sauberes Training und eine klare Spielidee brauchst du über alles Weitere nicht zu reden. Entscheidend ist, was danach kommt.
Stell dir zwei Trainer vor, die dieselbe Einheit leiten. Beide erklären die Staffelung im Pressing gleich gut. Beim ersten Trainer weiß jeder Spieler, was passiert, wenn ihm ein Fehler unterläuft. Er traut sich, den Ball zu fordern. Beim zweiten Trainer fürchtet jeder den Blick von der Seitenlinie. Er spielt den sicheren Pass. Die Übung ist dieselbe. Das Ergebnis ist es nicht.
Ein Beitrag zur Trainer-Athlet-Beziehung aus sportpsychologischer Sicht beschreibt es so: Athleten brauchen vom Trainer neben fachlichen Inhalten auch Sicherheit, Verständnis und ehrliches Feedback. Vertrauen, Respekt, Kommunikation und Unterstützung gelten dort als zentrale Bausteine einer erfolgreichen Zusammenarbeit. Dieselbe Quelle betont, dass Höchstleistungen selten unter Angst entstehen. Eine offene Fehlerkultur, in der Fehler als Lernchance gelten, ist deshalb Voraussetzung für Entwicklung.
Die Beziehung zeigt sich laut diesem Beitrag vor allem in schwierigen Phasen. Das sind Leistungsplateaus, Konflikte und Niederlagen. Genau dort trennt sich der gute vom erfolgreichen Trainer. Der gute Trainer hat einen Plan für den Gegner. Der erfolgreiche Trainer hat außerdem einen Draht zu seinen Spielern, wenn der Plan nicht aufgeht.
Dazu passt eine Befragung unter 190 Fußballspielern, die beim koreanischen Fußballverband registriert waren. Die Studie zeigt, dass das Vertrauen in den Trainer den Zusammenhang zwischen der Passung von Trainer und Spieler und ihrer Beziehung erklärt. Übersetzt in deinen Alltag: Ob deine Idee zu deinen Spielern passt, entscheidet am Ende auch das Vertrauen, das sie dir entgegenbringen.
Was ein erfolgreicher Trainer anders macht
Ein erfolgreicher Trainer macht nicht alles besser. Er macht drei Dinge bewusster als der Durchschnitt. Du kannst alle drei lernen.
Schritt 1: Jeden Spieler führen, nicht nur die Startelf
Die Startelf bekommt deine Aufmerksamkeit von selbst. Der Spieler auf Platz 17 bekommt sie nur, wenn du sie ihm gibst. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn du fünfmal die Woche trainierst und nicht zum Spielen kommst. Genau dieser Spieler prägt die Stimmung der Woche mit.
Jan Mayer weist in seinem Vortrag darauf hin, dass Ansprachen an die ganze Mannschaft von jedem Spieler anders verstanden werden. Wichtiges sollte deshalb auch im Einzelgespräch geklärt werden, am besten in vertraulicher Atmosphäre ohne Zuschauer. Außerdem stärken Aufgaben, die zur aktuellen Leistungsfähigkeit passen, das Selbstvertrauen des Spielers und sein Vertrauen zum Trainer.
So sieht ein Zweiergespräch aus, das nicht länger als zwei Minuten dauert:
• Warum er gerade draußen sitzt. Konkret, am Verhalten oder an der Leistung, nie am Menschen.
• Woran du ihn in den nächsten zwei Wochen messen wirst.
• Was du von ihm brauchst, wenn er eingewechselt wird.
Führe das Gespräch nach dem Training am Rand des Platzes. Hör danach zu. Wenn der Spieler mehr erzählt, als du gefragt hast, hast du ein gutes Gesprächsklima geschaffen.
Ein Beispiel aus dem Alltag. Dein Außenverteidiger steht seit drei Wochen nicht mehr in der Startelf. Seit du die Aufstellung ausgehängt hast, sagt er kaum noch etwas. Ein schwacher Einstieg wäre: „Du weißt ja, dass es gerade nicht läuft.“ Der Spieler hört darin ein Urteil über sich als Mensch. Er macht dicht.
Ein besserer Einstieg klingt so: „Ich sage dir, wo du stehst. Gegen den Ball bist du zuletzt zu spät aus der Kette gekommen. Das hat uns in zwei Spielen Gegentore gekostet. In den nächsten zwei Wochen achte ich darauf, wie schnell du schließt. Wenn ich dich bringe, brauche ich von dir in den ersten zehn Minuten volle Intensität. Was brauchst du dafür von mir?“
Der Unterschied liegt nicht im Ton, sondern im Inhalt. Der erste Satz bewertet. Der zweite gibt dem Spieler etwas in die Hand, das er selbst verändern kann. Danach schweigst du und lässt ihn antworten. Die erste Antwort ist selten die wichtigste.
Meistens kommt der eigentliche Satz erst nach einer kurzen Pause.
Das lässt du im Gespräch weg:
• Vergleiche mit anderen Spielern. Sie machen aus einem Gespräch einen Wettbewerb.
• Versprechen über Einsatzzeiten, die du nicht halten kannst.
• Lange Erklärungen über deine eigene Lage. Das Gespräch gehört dem Spieler.
Was ist mit dem Spieler, der nach dem Gespräch trotzdem sauer bleibt? Dann bleibt er sauer. Das Gespräch war trotzdem richtig. Du hast ihm gezeigt, dass er für dich sichtbar ist. Das wirkt oft erst nach ein paar Wochen.
Schritt 2: Autorität über Verhalten aufbauen
Autorität ist kein Titel. Sie entsteht nicht durch Lautstärke. Erich Rutemöller sagt in einem Interview auf Sport1, ein Trainer müsse überzeugen, erklären und begründen, warum er etwas verlangt. Früher seien autoritäre Trainer normal gewesen. Heute wollten Spieler verstehen, warum sie etwas tun.
Dazu kommt ein Punkt, den viele unterschätzen. Nach Mayer ist der Trainer die wichtigste Rahmenbedingung für seine Spieler. Seine eigene Stimmung wirkt auf das ganze Team. Spieler beobachten genau, wie du dich verhältst, wenn es schlecht läuft.
Der häufigste Fehler an dieser Stelle: Du erklärst im Moment des Ärgers. Dann kommt die Begründung als Vorwurf an. Besser ist es, wenn du die Erwartung vorher klärst, in ruhiger Lage, zum Beispiel zu Beginn der Woche. Dann kannst du dich im Ernstfall auf einen Satz beziehen, den alle schon kennen.
Das kannst du direkt umsetzen:
• Schreib deine drei wichtigsten Erwartungen in je einem Satz auf, zum Beispiel zu Pünktlichkeit, zum Umgang mit Fehlern und zum Verhalten bei einer Auswechslung.
• Begründe jede Erwartung in einem weiteren Satz, den dein jüngster Spieler versteht.
• Prüf ehrlich, ob du dich selbst an alle drei hältst.
• Bleib nach einer Niederlage derselbe Trainer wie nach einem Sieg.
Wie eine Erwartung mit Begründung aussieht, zeigt dieses Beispiel zur Pünktlichkeit: „Wir stehen zehn Minuten vor Trainingsbeginn umgezogen auf dem Platz. Die erste Übung funktioniert nur, wenn alle da sind.“ Der zweite Satz ist der entscheidende. Er macht aus einer Regel einen Grund.
Vergleich das mit dem Satz „Wer zu spät kommt, zahlt in die Kasse.“ Der Spieler lernt daraus, wie er die Strafe vermeidet. Warum Pünktlichkeit der Gruppe hilft, lernt er daraus nicht.
Besonders wichtig ist der Montag nach einer Niederlage. Hier zeigt sich, ob deine Erwartungen nur gelten, wenn es läuft. Nimm dir drei Sätze vor:
• Was war gut? Nenne zwei konkrete Szenen.
• Was ändern wir? Nenne genau eine Sache für diese Woche.
• Was bleibt gleich? Sag, dass sich an deinen Erwartungen nichts geändert hat.
Der dritte Satz ist der wichtigste. Spieler suchen nach einer Niederlage vor allem Halt. Wenn du am Montag derselbe bist wie am Freitag vorher, bekommen sie ihn.
Schritt 3: Verantwortung abgeben
Ein erfolgreicher Trainer trägt nicht jede Entscheidung allein. Eine Trainerwissen-Unterlage des BDFL zu effektiver Führung nennt dafür mehrere Ansatzpunkte. Die Führungsperson spricht von „wir“ statt von „ich“ oder „ihr“. Ein Mannschaftsrat bindet Spieler mit sozialem Einfluss ein. Alle sollen sich als Teil der Gruppe fühlen, auch die, die nicht spielen.
Aus 15 Jahren Führung im Konzern kenne ich, wie Druck wirkt und was passiert, wenn niemand darüber spricht. Eine Mannschaft, in der alles an einer Person hängt, hält diesen Druck schlechter aus. Mayer beschreibt die Phasen, die ein Team durchläuft. In der letzten Phase übernimmt jeder Verantwortung. Das gemeinsame Ziel steht im Mittelpunkt. Dorthin kommst du nicht, wenn du alles bei dir behältst.
Das gibst du ab:
• Die Rückmeldung aus der Mannschaft nach dem Training einholen.
• Neue Spieler in die Gruppe einführen.
• Den Standard für Pünktlichkeit mitsetzen und mittragen.
Dein Gradmesser ist einfach. Läuft die Kultur weiter, wenn du an einem Wochenende nicht da bist?
Der Mannschaftsrat funktioniert nur, wenn du ihn gezielt zusammenstellst. Nimm nicht automatisch die lautesten Spieler. Nimm drei oder vier, denen die anderen zuhören, darunter mindestens einen aus der zweiten Reihe. So erreichst du auch die Spieler, die sich sonst übergangen fühlen.
Gib jeder Aufgabe einen Verantwortlichen und eine Frist. „Kümmert euch um die Stimmung“ ist keine Aufgabe. „Du führst bis Freitag den neuen Spieler durch die Abläufe und sagst mir am Samstag, wie er sich fühlt“ ist eine. Triff dich einmal pro Woche zehn Minuten mit dem Rat. Hör dabei mehr zu, als du redest.
Zwei Dinge gehen häufig schief. Der Rat wird zum Sprachrohr, das nur deine Ansagen weitergibt. Oder er wird zum Beschwerdebüro, das nur Probleme bringt. Gegen beides hilft eine feste Frage zu Beginn: „Was läuft gut, was braucht Veränderung, was kannst du selbst dafür tun?“ Die dritte Teilfrage verhindert, dass Verantwortung wieder bei dir landet.
Dein Plan für drei Wochen
1. Woche 1: Führe fünf Zweiergespräche, davon mindestens drei mit Spielern außerhalb der Startelf. Schreib nach jedem Gespräch einen Satz auf, was du gelernt hast.
2. Woche 2: Formuliere deine drei Erwartungen mit Begründung. Sprich sie einmal klar in der Mannschaft an. Nutze dabei bewusst das Wort „wir“.
3. Woche 3: Übergib dem Mannschaftsrat drei Aufgaben. Frag nach einer Woche, was sich verändert hat.

Dazu ein Schnelltest für diese Woche. Frag drei Spieler, darunter einen aus der zweiten Reihe, zwei Dinge. Was erwartest du von mir als Trainer? Was verstehst du bei mir nicht? Hör nur zu. Verteidige nichts und erkläre nichts. Schreib die Antworten auf und leg sie neben deine eigene Antwort. Liegen sie weit auseinander, hast du gerade den Unterschied gefunden.
Zum Plan gehört eine ehrliche Rückschau nach der dritten Woche. Nimm die fünf Signale vom Anfang und prüf sie noch einmal. Rechne nicht mit einer Revolution. Wenn zwei der fünf Signale schwächer geworden sind, bist du auf dem richtigen Weg. Wenn sich nichts verändert hat, frag dich, welches Gespräch du bisher vermieden hast. Meistens ist es genau das eine.
Typische Fehler in den ersten Wochen
Wenn Trainer diese Schritte angehen, passieren meistens dieselben vier Dinge.
Zu viel auf einmal. Du willst alles sofort ändern. Nach einer Woche bist du erschöpft. Die Mannschaft hat nicht verstanden, worum es geht. Bleib bei der Reihenfolge des Plans.
Gespräche nur mit den Problemfällen. Dann wird das Zweiergespräch zur Strafe. Führe es auch mit Spielern, bei denen alles passt. So verliert das Gespräch seinen Beigeschmack.
Erwartungen ohne Beispiel. „Mehr Einsatz“ versteht jeder anders. „Nach Ballverlust sofort zwei Schritte zum Gegenspieler“ versteht jeder gleich.
Aufgaben abgeben, aber nachsteuern. Du übergibst eine Aufgabe und übernimmst sie nach drei Tagen wieder, weil es dir zu langsam geht. Damit lernt der Rat, dass die Verantwortung nur geliehen war. Lass Dinge unperfekt laufen, solange sie in die richtige Richtung laufen.
Das hörst du von anderen Trainern
„Dafür habe ich keine Zeit.“ Ein Zweiergespräch dauert zwei Minuten. Du führst sie nach dem Training, wenn die Spieler ohnehin noch da sind. Der Zeitaufwand ist kleiner als der Aufwand für eine Kabine, in der niemand mehr offen redet.
„Ich bin Trainer, kein Psychologe.“ Das musst du auch nicht sein. Fachkompetenz bleibt unverzichtbar, wie der Beitrag zur Trainer-Athlet-Beziehung klar sagt. Sozialkompetenz kommt dazu. Du sollst niemanden behandeln. Du sollst klar sein, zuhören und ehrlich Rückmeldung geben.
„Wenn ich Verantwortung abgebe, verliere ich die Kontrolle.“ Du gibst Aufgaben ab, keine Entscheidungen. Aufstellung, Taktik und Regeln bleiben bei dir. Abgeben heißt, dass die Mannschaft den Rahmen mitträgt, den du setzt.
„Meine Spieler wollen einfach klare Ansagen.“ Klarheit und Begründung widersprechen sich nicht. Eine klare Ansage mit einem Satz Begründung ist kürzer als dieselbe Ansage, die du dreimal wiederholen musst. Spieler setzen um, was sie verstanden haben, schneller als das, was sie nur gehört haben.
„Bei uns läuft es gerade, warum soll ich etwas ändern?“ Die Beziehung zeigt sich erst in Niederlagen und Konflikten. Wenn du sie erst dann aufbaust, ist es zu spät. Baue sie jetzt, solange der Druck noch klein ist.
„Meine Spieler sind erwachsen, die müssen das können.“ Erwachsene Spieler brauchen dieselbe Klarheit wie junge. Sie sagen nur seltener, wenn sie etwas nicht verstehen. Gerade bei erfahrenen Spielern ist ein ehrliches Zweiergespräch oft die erste Rückmeldung seit Jahren.
„Ich habe nur drei Trainingseinheiten die Woche.“ Das reicht. Zweiergespräche brauchen zwei Minuten, die Erwartungen einmal eine halbe Stunde zum Aufschreiben, der Mannschaftsrat zehn Minuten pro Woche. Insgesamt kostet dich der Plan keine zusätzliche Trainingszeit.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis sich etwas verändert? Das erste Zweiergespräch wirkt oft sofort, weil der Spieler merkt, dass du ihn siehst. Die Kultur im Ganzen braucht mehrere Wochen. Rechne mit vier bis sechs Wochen, bis du eine klare Veränderung spürst.
Was mache ich, wenn ein Spieler im Gespräch dichtmacht? Dränge nicht. Sag, dass die Tür offen bleibt. Frag nach ein paar Tagen noch einmal nach. Manche Spieler brauchen Zeit, bevor sie dir glauben, dass das Gespräch ernst gemeint ist.
Muss ich mit allen Spielern gleich oft sprechen? Nein. Spieler, die weniger Spielzeit bekommen, brauchen mehr Aufmerksamkeit von dir. Spieler mit viel Verantwortung brauchen Anerkennung. Beides darf ungleich verteilt sein, solange du den Grund erklären kannst.
Gilt das auch im Jugendbereich? Ja. Hier sprichst du zusätzlich mit den Eltern. Die Erwartungen aus Schritt 2 solltest du dort einmal zu Saisonbeginn offen aussprechen. So vermeidest du, dass Eltern am Spielfeldrand ihre eigenen Regeln machen.
Woran merke ich, dass ich zu weit gehe und Freundschaft statt Führung biete? Ein Hinweis ist, wenn du Entscheidungen nicht mehr triffst, weil du jemanden nicht enttäuschen willst. Führung heißt, dass du klar bleibst, auch wenn die Antwort unbequem ist. Beides lässt sich verbinden.
Wie ich mit Trainern arbeite
Ich hatte kein Talent, nur Arbeit. In den 90ern spielte ich semiprofessionell, mit Vertrag, neben der Bundeswehr. Dann hatte ich einen laufenden Vertrag, den ich ein Jahr lang nicht erfüllen konnte. Ich trainierte fünfmal die Woche und kam nicht zum Spielen. Mir ging die Lust am Fußball verloren.
Das war kein Scheitern. Es war eine Erkenntnis: Fußball braucht mehr als Technik und Einsatz. Es braucht Menschen, die sich von innen kennen.
Danach kamen 15 Jahre Führung im Konzern, bis zur Regionalleitung mit bis zu 70 Standorten und 300 Mitarbeitenden. Ich habe Führungskräfte und Teams entwickelt. Dabei habe ich erlebt, wie Druck wirkt und was passiert, wenn niemand darüber spricht. 2017 holte mich ein Burnout ein. Verändert habe ich erst 2024 wirklich etwas.
Was ich damals nicht hatte, habe ich seitdem verstanden. Genau das gebe ich heute weiter. Ich war Spieler, Ausbilder und Führungskraft und stehe selbst als Jugendtrainer am Platz. Ich kenne beide Seiten der Kabine.
Was dahinter steht:
• Business-Coach (SGD), Sport-Mentaltrainer und Stress- und Burnout-Coach (Academy of Sport)
• 15 Jahre Führung in der Wirtschaft, Führungskräfte und Teams entwickelt
• Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg (2020)
• 100 Menschen und 20 Teams begleitet
Leistung allein reicht nicht. Persönlichkeit macht den Unterschied.
Dein nächster Schritt
Nimm dir heute Abend zehn Minuten. Schreib drei Namen auf: einen Spieler aus der Startelf, einen von der Bank und einen, mit dem du seit Wochen kaum gesprochen hast. Führe mit allen drei diese Woche ein Zweiergespräch.
Du willst wissen, wo du als Trainer gerade stehst und was dein nächster Schritt in deiner Mannschaft ist?
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