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Warum dein Sohn im Fußball gut spielt und trotzdem weniger Spielzeit bekommt

3. Aug.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Sept.

Carsten Rollik, Mentalcoach im Fußball, zum Thema Spielzeit im Nachwuchsfußball

Am Wochenende dasselbe Bild. Dein Sohn spielt stark, vielleicht sogar eines seiner besten Spiele. Du siehst es. Andere Eltern sehen es auch.

Trotzdem passiert das, was du nicht verstehst: Er geht runter. Andere bleiben drauf. Er ist frustriert. Du bist es auch.

Der erste Gedanke kommt automatisch. Das ist unfair.

Ich verstehe diesen Gedanken. Ich höre ihn in fast jedem Gespräch mit Eltern. Aber er führt in eine Sackgasse, und genau darum geht es in diesem Text. Wenn dein Sohn weniger Spielzeit im Fußball bekommt, obwohl er auf dem Platz liefert, hat das meistens Gründe, die du vom Spielfeldrand aus nicht sehen kannst.


Trainer entscheiden nicht nur nach dem Spiel von Samstag

Die verbreitetste Annahme unter Eltern lautet: Wer gut spielt, spielt mehr. Das klingt logisch und ist trotzdem falsch.

Ein Trainer denkt nicht in einzelnen Spielen. Er denkt in Wochen, in Halbserien, manchmal in Jahren. Er hat einen Kader, den er entwickeln muss, Spieler, die er halten will, und Positionen, die er langfristig besetzen muss.

Das heißt: Die Aufstellung ist keine Rangliste der letzten neunzig Minuten. Sie ist das Ergebnis einer Planung, die Wochen vorher begonnen hat.

Dein Sohn spielt also nicht nur gegen den Gegner. Er spielt gegen eine Struktur, die er nicht kennt.


Im Profinachwuchs kommt eine Regel dazu, die kaum jemand kennt

Wenn dein Sohn in einem Leistungszentrum spielt, wird es noch konkreter. Dort gibt es die sogenannte Local-Player-Regel.

Vereine müssen eine bestimmte Anzahl an Spielern im Kader haben, die im eigenen Verein oder zumindest im deutschen Verband ausgebildet wurden. Ausgebildet heißt: mehrere Jahre in einer festgelegten Altersphase im Club.

Der entscheidende Punkt kommt jetzt. Diese Spieler zählen für den Verein erst dann richtig, wenn sie einen Profivertrag haben. Und ein Spieler mit Vertrag ist für den Club kein einzelner Spieler mehr. Er ist eine Investition, ein Planungsposten, ein Teil der Kaderstrategie.

Solche Spieler bekommen Minuten. Nicht als Belohnung, sondern weil sie aufgebaut werden sollen.

Bei Vereinen, die international spielen, verschärft sich das noch. Dort sind Kaderplätze knapp und die Vorgaben streng. Wer die Quote nicht erfüllt, verliert Optionen. Deshalb haben diese Spieler intern ein Gewicht, das mit ihrer Tagesform wenig zu tun hat.


Im Amateurbereich sieht es anders aus, wirkt aber ähnlich

Vielleicht spielt dein Sohn gar nicht im Leistungszentrum. Dann greift diese Regel nicht. Der Mechanismus dahinter greift trotzdem.

Auch im ambitionierten Amateurbereich gibt es Spieler, die aus anderen Gründen gesetzt sind. Weil sie seit Jahren im Verein sind. Weil sie eine Position abdecken, für die es keinen Ersatz gibt. Weil der Trainer sie im Sommer geholt hat und sie funktionieren sehen will. Weil sie in der Kabine eine Rolle haben, die von außen unsichtbar ist.

Die Regeln sind andere. Das Prinzip ist dasselbe. Nicht jeder Spieler ist im System gleich viel wert, und Leistung ist nur einer von mehreren Faktoren.


Warum dein Sohn weniger Spielzeit im Fußball bekommt

Wenn er später in den Verein gekommen ist, keinen Vertrag hat oder in keine strukturelle Kategorie fällt, dann hat er schlicht keinen Vorteil im System. Dann entsteht genau die Situation, die dich am Wochenende so wütend gemacht hat.

Er wurde nicht ausgewechselt, weil er schlecht war. Er wurde ausgewechselt, weil ein anderer gerade wichtiger ist.

Das ist hart. Es ist aber keine Ungerechtigkeit, die man abstellen kann, sondern eine Realität, mit der man arbeiten muss.


Der Fehler, den fast alle Eltern machen

Ich erlebe an dieser Stelle fast immer dieselbe Reaktion. Der Ärger sucht sich ein Ziel.

Es kommen Fragen an den Trainer. Es kommen Bemerkungen im Auto auf dem Heimweg. Es kommen Sätze wie "Der sieht dich einfach nicht" oder "Bei dem hast du keine Chance".

Das Problem daran ist nicht, dass diese Sätze unwahr wären. Das Problem ist, was sie mit deinem Sohn machen.

Er hört: Meine Leistung entscheidet nicht. Es ist egal, was ich tue. Andere bestimmen über mich.

Ein Spieler, der das glaubt, hört auf, an sich zu arbeiten. Nicht sofort, aber schleichend. Er wird passiv, er wartet auf Gerechtigkeit statt auf seine Chance, und wenn die Chance dann kommt, ist er nicht bereit.

Damit hast du aus einem Struktur-Problem ein Kopf-Problem gemacht. Und das Kopf-Problem bleibt auch dann bestehen, wenn er den Verein wechselt.


Die Frage, die weiterbringt

Sie lautet nicht: Warum ist das unfair?

Sie lautet: Was braucht mein Sohn, um trotz dieser Struktur relevant zu werden?

Diese Frage ist unbequemer, weil sie den Blick zurück auf ihn lenkt statt nach außen. Sie ist aber die einzige, auf die es eine Antwort gibt.


Woran ich in solchen Situationen mit Spielern arbeite

An der Kaderplanung eines Vereins kann ich nichts ändern. Das ist auch nicht meine Aufgabe. Was ich verändern kann, ist, was in seinem Kopf passiert, wenn er auf der Bank sitzt.

Konkret geht es meistens um drei Dinge.

Er lernt, zwischen dem zu trennen, was er beeinflussen kann, und dem, was er nicht beeinflussen kann. Das klingt einfach und ist die härteste Arbeit von allen, weil jede Auswechslung diese Trennung wieder angreift.

Er lernt, seinen Wert nicht an der Aufstellung festzumachen. Ein Spieler, dessen Selbstbild an der Startelf hängt, verliert jede Woche neu. Ein Spieler, der weiß, was er kann, geht auch nach der achtzigsten Minute noch aufs Feld und liefert.

Er lernt, im Training so aufzutreten, dass Nichtberücksichtigung teurer wird. Nicht durch lautes Auftreten, sondern durch Konstanz, Präsenz und Verhalten, das ein Trainer nicht ignorieren kann.

Das ist kein Trick, mit dem er nächste Woche in der Startelf steht. Es ist die Arbeit, die entscheidet, ob er in sechs Monaten noch derselbe Spieler ist oder ein resignierter.


Was du jetzt tun kannst

Das Wichtigste zuerst: Sprich mit deinem Sohn nicht über die Ungerechtigkeit, sondern über seinen nächsten Schritt. Die Fahrt nach Hause ist der Moment, in dem sich entscheidet, ob er die Situation als Angriff oder als Aufgabe abspeichert.

Wenn du merkst, dass das Thema bei ihm schon Spuren hinterlassen hat, dass er lustloser trainiert, weniger redet oder anfängt, sich selbst kleinzumachen, dann ist das der Punkt, an dem externe Hilfe sinnvoll wird.

Ich arbeite im Einzelcoaching mit Spielern genau an diesen Themen. Der erste Schritt ist ein Erstgespräch, in dem wir gemeinsam einordnen, wo dein Sohn gerade steht und ob Mentalcoaching für ihn der richtige Weg ist. Das Gespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts.

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Sohn mehr kann, als er gerade zeigt, dann melde dich bei mir.

 
 
 

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