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Umgang mit dem Bankplatz im Fußball: Bereit, wenn deine Stunde schlägt

4. Mai
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Sept.

Carsten Rollik, Mentalcoach im Fußball, zum Thema Bankplatz und Spielzeit

Du sitzt wieder draußen. Vielleicht die dritte Woche in Folge, vielleicht die achte.

Du hast trainiert wie immer. Du hast nichts falsch gemacht. Trotzdem wird die Aufstellung vorgelesen und dein Name kommt nicht vor.

Dann kommt dieser Moment, in dem du dich hinsetzt und versuchst, dir nichts anmerken zu lassen. Du klatschst mit, du feuerst an, und innerlich läuft etwas ganz anderes.

Der Bankplatz im Fußball tut weh. Nicht weil du neunzig Minuten weniger läufst, sondern weil jede Aufstellung sich anfühlt wie ein Urteil über dich.

Ich arbeite mit Spielern, die genau da sitzen. Und ich sage dir gleich vorweg: Das Problem ist meistens nicht die Bank. Das Problem ist, was du auf der Bank über dich selbst denkst.


Was der Bankplatz im Fußball mit deinem Selbstbild macht

Zwei Wochen draußen sind ärgerlich. Zwei Monate draußen sind etwas anderes.

Irgendwann kippt der Gedanke. Aus "Ich spiele gerade nicht" wird "Ich bin gerade nicht gut genug". Und aus "Ich bin gerade nicht gut genug" wird irgendwann "Ich bin nicht gut genug".

Das ist eine leise Bewegung. Sie passiert nicht an einem bestimmten Samstag, sondern über Wochen. Und sie ist der eigentliche Schaden, den ein langer Bankplatz anrichtet.

Denn ein Spieler, der an sich zweifelt, trainiert anders. Er geht in Zweikämpfe einen Tick später. Er fordert den Ball seltener. Er spielt den sicheren Pass statt den entscheidenden.

Dann passiert genau das, wovor er Angst hatte: Der Trainer sieht einen Spieler, der nicht überzeugt. Nicht weil er schlechter geworden ist, sondern weil er sich selbst nicht mehr zutraut, was er kann.

Der Bankplatz war die Ausgangslage. Der Zweifel macht ihn dauerhaft.


Warum du selten der Grund bist

Es lohnt sich, das nüchtern anzuschauen, bevor der Kopf sich seine eigene Geschichte baut.

Trainer stellen nicht die elf besten Spieler auf. Sie stellen die elf auf, die aus ihrer Sicht dieses eine Spiel gewinnen. Das ist ein Unterschied.

Da geht es um die Spielweise des Gegners. Um eine Position, auf der zufällig gerade zwei Spieler mit demselben Profil stehen. Um einen Spieler, der im Sommer geholt wurde und funktionieren soll. Um Erfahrung in engen Spielen. Um Dinge, die im Trainerstab besprochen wurden und nie bei dir ankommen.

Nichts davon ist ein Urteil über deinen Wert. Es fühlt sich nur so an, weil du der Einzige bist, der die Entscheidung persönlich nimmt.


Der Fehler, den fast jeder macht

Wenn der Bankplatz länger dauert, gehen die meisten Spieler einen von zwei Wegen.

Der eine macht sich klein. Er zieht sich zurück, redet weniger, wird im Training unauffällig. Er will keinen Ärger machen. Von außen sieht das nach fehlendem Willen aus, und genau so wird es gelesen.

Der andere macht andere klein. Der Trainer hat einen Plan gegen ihn, der Konkurrent wird bevorzugt, das System passt nicht zu ihm. Diese Geschichte fühlt sich kurzfristig besser an, weil sie den Schmerz nach außen verlagert. Sie hat nur einen Haken: Wenn andere über dein Schicksal entscheiden, kannst du selbst nichts mehr tun. Der Gedanke, der dich entlastet, macht dich handlungsunfähig.

Beide Wege führen an derselben Stelle vorbei: an der Frage, was du in dieser Situation tatsächlich beeinflussen kannst.


Was du beeinflussen kannst

Die Aufstellung gehört nicht dazu. Die Entscheidungen des Trainers auch nicht. Wenn du dort ansetzt, verlierst du jede Woche neu.

Was dir gehört, ist deine Verfassung.

Bereite dich vor, als würdest du spielen. Nicht als Trick, um den Trainer zu beeindrucken, sondern weil ein Körper, der auf Betriebstemperatur ist, in der 70. Minute etwas anderes leisten kann als einer, der abgekühlt ist. Wer erst warm wird, wenn sein Name fällt, hat die ersten zehn Minuten verschenkt.

Nutze die Perspektive, die du hast. Du siehst das Spiel von außen, das kann kein Startspieler. Wo entstehen Räume? Wie steht der Gegner nach einem Ballverlust? Was macht der Spieler auf deiner Position gut, und wo ist er unsauber? Wer eingewechselt wird und das Spiel schon gelesen hat, braucht keine Anlaufzeit.

Setz dir Ziele, die in deiner Hand liegen. Nicht "Ich muss nächste Woche spielen", das entscheidest du nicht. Sondern: die ersten beiden Zweikämpfe, der erste Ballkontakt sauber, präsent von der ersten Sekunde. Ziele, die du auch dann erreichen kannst, wenn du nur zwölf Minuten bekommst.

Und such das Gespräch, wenn du nicht weißt, woran du bist. Ruhig, ohne Vorwurf, mit einer echten Frage: Woran soll ich arbeiten? Die Antwort hilft dir. Aber selbst wenn sie unbefriedigend ist, hast du etwas gewonnen: Du hast gehandelt, statt zu warten.


Woran ich mit Spielern in dieser Situation arbeite

Ich kann dich nicht in die Startelf bringen. Das entscheidet dein Trainer.

Was ich verändern kann, ist der Zusammenhang zwischen deiner Spielzeit und deinem Selbstbild. Genau da liegt der Hebel.

Wir arbeiten daran, dass eine Aufstellung wieder eine Entscheidung wird und kein Urteil. Dass du nach der Verkündung nicht anfängst, an dir zu zweifeln, sondern bei dir bleibst.

Wir schauen uns an, was in dir passiert, wenn dein Name nicht fällt. Welcher Gedanke kommt zuerst, was folgt daraus, wie geht es dir danach im Training. Diese Kette ist bei jedem Spieler anders, und man kann sie unterbrechen, sobald man sie kennt.

Und wir arbeiten daran, dass du am Montag im Training wieder derselbe Spieler bist wie vor der Bankzeit. Denn dort entscheidet sich, ob du zurückkommst.


Die Bank ist keine Endstation

Ob sie eine wird, hängt weniger von deinem Trainer ab, als du gerade glaubst.

Sie wird zur Endstation, wenn du irgendwann anfängst, ihr recht zu geben. Wenn der Zweifel im Kopf sich in dein Spiel überträgt und aus einer Momentaufnahme eine Tatsache macht.

Sie wird zur Zwischenstation, wenn du der Spieler bleibst, der du warst, bis deine Minuten kommen. Und sie kommen, in fast jeder Saison, meistens dann, wenn niemand damit gerechnet hat.

Wenn du merkst, dass die Bank bei dir schon Spuren hinterlässt, dass du unsicherer trainierst, weniger forderst oder anfängst, an dir zu zweifeln, dann ist das der Moment, an dem sich Arbeit am Kopf lohnt.

In einem kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns gemeinsam an, wo du gerade stehst und ob Mentalcoaching für dich der richtige Weg ist. Melde dich, bevor aus ein paar Wochen ohne Spielzeit eine Überzeugung über dich selbst wird.

 
 
 

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