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Ich weiß nicht, ob sich das lohnt – aber ich weiß, warum ich es tue.

2025 war kein Jahr, in dem plötzlich alles aufgegangen ist.Kein Jahr, das man später mit glänzenden Augen erzählt.Es war ein Jahr, das still gearbeitet hat. Und genau deshalb hängen geblieben ist.


Ich erinnere mich an viele Gespräche. An Parkplätze, Telefonate, kurze Treffen am Rand von Trainingsplätzen. Besonders erinnere ich mich an die Gespräche mit Eltern. Eltern, die freitags nach der Arbeit ins Auto steigen, samstags früh losfahren und sonntags müde zurückkommen. Mehrere hundert Kilometer, um ihren Sohn spielen zu sehen. Manchmal nur ein paar Minuten Einsatz. Manchmal gar keinen.


Diese Gespräche sind nie laut. Sie sind vorsichtig. Fast tastend.Es geht selten um Tore oder Tabellen. Es geht um Druck. Um Zweifel. Um die Angst, etwas kaputt zu machen, obwohl man doch eigentlich nur unterstützen will. Viele Eltern fragen nicht direkt. Man merkt es zwischen den Sätzen. Und man spürt, wie viel Verantwortung sie tragen, ohne genau zu wissen, wie sie damit umgehen sollen.


2025 hat mir sehr deutlich gezeigt, was mentale Arbeit leisten kann. Und was nicht. Egal, wie oft darüber gesprochen wird.


Im Laufe des Jahres habe ich viele Menschen begleitet. Spieler, Trainer, Vereine. Unterschiedliche Ebenen, ähnliche Muster. Fast alle Kontakte entstanden erst dann, wenn es nicht mehr lief. Wenn Ergebnisse ausblieben. Wenn sich etwas festgefahren hatte. Kaum jemand meldet sich, wenn alles ruhig ist. Mentale Arbeit beginnt meistens dort, wo es already brennt.


Die meisten Einzelcoachings fanden nachmittags statt, oft direkt nach dem Training. Der Körper müde, der Kopf noch voll. Genau diese Zeit bringt Dinge nach oben. Gespräche, die nicht geplant waren. Pausen, in denen niemand etwas sagt. Manchmal reicht ein Satz, um zu merken, wie viel innerlich los ist.


Ein Gespräch hat sich festgesetzt. Ein Spieler, jung, talentiert, körperlich top. Und trotzdem fast an dem Punkt, an dem er keine Lust mehr hatte. Nicht auf Fußball allgemein, sondern auf dieses ständige Müssen. Dieses Funktionieren. Dieses Gefühl, nie wirklich gut genug zu sein, egal wie viel er investiert. In solchen Momenten wird klar, wie wenig das Außen mit dem Innen zu tun hat.


Mentale Stärke wird im Fußball gern beschworen. Meist meint man damit Belastbarkeit. Oder Motivation. Oder Durchziehen. Das eigentliche Thema bleibt oft liegen. Verantwortung. Verantwortung für Entscheidungen. Für Reaktionen unter Druck. Für die eigene Wirkung auf andere. Leistung entsteht nicht, weil sich etwas gut anfühlt. Sie entsteht, wenn Dinge klar werden. Auch dann, wenn das unbequem ist.


Bei Trainern habe ich 2025 ein ähnliches Muster gesehen. Im Training wird strukturiert gearbeitet, mit Plan, mit Idee. Im Spiel wird reagiert. Nicht aus Unsicherheit. Sondern aus Druck. Unruhe entsteht, der Wunsch nach Stabilität wird größer, der eigene Maßstab gerät ins Wanken. Genau dort kippt Führung. Mentale Führung heißt nicht, alles im Griff zu haben. Sie heißt, den eigenen Plan zu halten, wenn es schwer wird.

In den Teams war die Stimmung anfangs oft reserviert. Dieses unausgesprochene „Was will der hier eigentlich?“ liegt manchmal förmlich in der Luft. Das ändert sich meist schnell. Trotzdem gab es Situationen, in denen ich bewusst nichts gesagt habe. Nicht, weil ich nichts gesehen hätte. Sondern weil Timing entscheidet.


Die Spieltage haben 2025 besonders geprägt. Live vor Ort zu sein, verändert alles. Ein Auswärtsspiel der U21 in Hummetroth ist mir bis heute im Kopf. Ein Platz auf einer alten Pferderennbahn. Eine Blaskapelle am Spielfeldrand. Über 2.000 Zuschauer in der Hessenliga. Skurril und intensiv zugleich. In solchen Momenten kann ich mich extrem gut in die Köpfe der Spieler hineinversetzen. Kleine Gesten, Körpersprache, Blicke. Dinge, die man im Fernsehen nie sieht.



Die Fahrten dorthin und zurück habe ich meist allein gemacht. Oft liefen mehrere Spiele parallel. Auf der Rückfahrt habe ich mit den Spielern telefoniert, die ich nicht live sehen konnte. Gespräche im Auto, spät abends, wenn der Tag noch nachwirkt. Das ist kein romantischer Teil des Jobs. Aber ein ehrlicher.


Die Zahlen des Jahres klingen nüchtern. 124 Einzelcoachings. Über 11.000 Minuten. Arbeit mit Spielern, Trainern und Vereinen. Fünf Zusammenarbeiten bewusst beendet. Diese Zahlen sagen wenig über Leistung. Sie sagen viel über Realität. Mentale Arbeit wird oft erst ernst genommen, wenn der Druck hoch ist. Und sie funktioniert nur dort, wo Bereitschaft da ist.


Eine Entscheidung war für mich besonders klar. Ein sehr talentierter Spieler. Zwei Sitzungen. Danach das offene Gespräch, dass eine Zusammenarbeit unter diesen Voraussetzungen keinen Sinn macht. Früher hätte ich vielleicht länger versucht, etwas zu retten. 2025 nicht mehr. Mentale Arbeit braucht Offenheit. Alles andere kostet Energie und bringt nichts.


Neu war für mich auch die Arbeit mit jüngeren Spielern. 10 bis 14 Jahre. Und hier taucht die Elternperspektive wieder auf. Nur früher. Unsicherer. Eltern, die nicht wissen, ob sie pushen oder bremsen sollen. Ob sie schützen oder fordern müssen. Der Druck ist leise, aber dauerhaft. Und er beginnt viel früher, als viele denken.


Finanziell ist das alles kein Selbstläufer. Davon kann man aktuell noch nicht wirklich leben. Das ist die Wahrheit. Trotzdem habe ich keinen Moment gehabt, in dem ich den Weg infrage gestellt habe. Jedes Feedback nach einer Session. Jede kleine Veränderung. Jedes ehrliche Gespräch ist für mich die Bestätigung, dass es richtig ist.

2025 hat nichts beschönigt. Es hat Dinge klarer gemacht. Weniger Methoden. Weniger Motivation. Mehr Verantwortung. Mehr Haltung. Mentale Arbeit ist kein Zusatz. Sie ist Teil von Leistung oder sie bleibt wirkungslos. Wirkung vor Wohlfühlen.

 
 
 

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